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Preiswertes Stellpult bauen

Preiswertes Stellpult bauen

Wozu ein Stellpult ?

Alle Elemente der Modellbahn sollen ja irgendwie gesteuert werden. Das kann der Computer übernehmen, schließlich gibt es jede Menge Software - auch zur analogen Modellbahnsteuerung.
So lässt sich entscheiden, ob die Anlage vollautomatisch durch ein ablaufendes Computerprogramm gesteuert wird oder halbautomatisch, so dass der Modellbahner vor dem Rechner sitzt und per Mausklick die einzelnen Aktionen auslöst.

Es bleibt freilich jedem Modellbahner selbst überlassen, welche Rolle er der Steuerelektronik und sich selbst zuschreibt. Mir gefällt es nicht, vor dem Rechner zu sitzen und die Anlage zu steuern, denn letztlich starrt man mehr auf den Monitor als sich an der Anlage und ihrem Fahrbetrieb zu erfreuen.

Da ich beruflich ausreichend mit Computern zu tun habe, sollte meine Anlage "von Hand" steuerbar sein, wobei mir natürlich einige logische Schaltungen die "Arbeit als Stellwerker" erleichtern. Aber dazu später.

Wer sich also zur halbautomatischen - oder zur Handsteuerung entscheidet, sollte sich als nächstes Gedanken über ein Stellpult machen.

Auf alle Fälle rate ich davon ab, die Steuerelemente gleich in die Anlage zu integrieren. Bei kleinsten Heimanlagen mag das noch gehen, bei größeren Anlagen ist man mit diesem Verfahren sehr stark "ortsgebunden".
Ein seperates Stellpult mit entsprechend langen Anschlussleitungen lässt auch mal einen Ortswechsel bezüglich der Anlage zu.

Bei meiner Anlage habe ich 30-adrige Kabel verwendet, die mit 21-poligen Scart-Steckern an die Anlage gekoppelt werden. Das System ist preiswert und bewährt sich seit Jahren. Heute würde ich andere Stecker verwenden, da die Scartstecker durch die Erschütterungen leicht einmal aus den Steckbuchsen rutschen. Mit einer entsprechenden Halterung und einer Zug-Entlastung für die Kabel ließ sich das Problem aber in den Griff bekommen.

Die Steuerkabel mit Scartstecker

Unterbau des Stellpultes

Ein separates, eingeschränkt mobiles Stellpult kann man mit etwas handwerklichem Talent selbst bauen.

Bei mir bildet ein alter Nachtschrank mit seiner Frontklappe die Grundlage. Dieser wurde mit Rädern versehen, um seine Position ändern zu können bzw. das gesamte Pult unter der Anlage parken zu können.

Das Stellpult
Der Nachtschrank als Unterbau, links hängt der Monitor für die Überwachungskamera und den Computer zur Geräuscheinspielung.

Der "Traforaum"

Zu jedem Stellwerk gehört natürlich auch ein "Traforaum".

Dieser befindet sich hinter der Frontklappe des ehemaligen Nachtschrankes. Hier sind die leistungsstarken Trafos angeordnet, die alle benötigten Spannungen liefern.
Für kleinere Anlagen genügen die 16V-Ausgänge der handelsüblichen Modellbahntrafos, für größere Anlagen sind preiswerte Trafos z.B. vom Conrad-Electronicversand ratsam.

Der Bedarf an elektrischer Leistung sollte keinesfalls unterschätzt werden ! Gerade die Beleuchtung und die elektromagnetischen Schaltartikel wie Weichenantriebe etc. benötigen schnell mehr als ein Ampere Strom ! Sehen Sie also lieber Reserven und ggF. mehrere Trafos vor. Achten Sie dabei auf den richtigen Anschluss, denn das Verwechseln von Primäreingang (230V) und Sekundärausgang (16V, 12V,..) kann fatale - sogar tödliche Folgen haben !
Die Trafos lassen sich z.B. über den gemeinsamen Nullleiter zusammenschalten. Wie das geht, erfahren Sie im zugehörigen Kapitel auf dieser Homepage.

Falls Sie selbst Trafos beschalten, sollten Sie für jede Ausgangsspannung eine seperate Sicherung vorsehen. Bei mir dient dazu ein Sicherungskasten mit Schmelzsicherungen aus dem Auto auf der Rückseite des Pultes.

Sind Kinder an der Modellbahn tätig, sollten die Netztrafos unzugänglich - am besten in einem verschließbaren Fach - untergebracht werden. Hier steht die Sicherheit an erster Stelle ! Achten Sie auf alle Fälle auf eine saubere galvanische Trennung zwischen Netzspannung und den Kleinspannungen !
Wollen Sie absolut sichergehen, dann verwenden Sie besser ausschließlich GS-geprüfte Modellbahntrafos.

Der Stelltisch

Auf den alten Nachtschrank habe ich aus Sperrholz das Bedientableau gebaut. Es kann hochgeklappt werden und gewährt damit Zugang zu den Anschlüssen.

Verwendet man einen Gleisplan, in dem die entsprechenden Schalter usw. angeordnet sind, so erleichtert dies die Übersicht - vorallem auch dann, wenn mehrere oder mit der Anlage nicht vertraute Freunde mit fahren wollen.

In diesem Fall ist es günstig, den auf der Anlage tatsächlich vorhandenen Gleisplan vorher mit einem Grafikprogramm am Computer zu entwerfen.
Bewährt hat sich, ein Raster von 4x4cm oder 5x5cm zu nutzen und dort die entsprechenden Symbole einzutragen.
Will man mehrere Bahnhöfe auf dem Stellpult überwachen, lassen sich diese grau unterlegen und entsprechend übersichtlich anordnen.

Schließlich lässt sich der Plan mit mehreren Seiten auf Glanzpapier ausdrucken und dann zusammenkleben. Das sieht jetzt schon recht "professionell" aus.

Auschnitt aus dem Gleisbildstellpult
Die Fahrstraßen werden von LED entsprechend der Weichensteuerung ausgeleuchtet.Signale werden durch in Reihe geschaltete LEDs mit ihrem tatsächlichen Bild dargestellt.

Bau des Bedientableaus

Passend zur Größe des ausgedruckten und zusammengeklebten Gleisplanes kann nun der Stelltisch gebaut werden. Die Form eines abgeschrägten Pultes lässt später die Unterbringung von Relais etc. zu und schützt die empfindlichen Drähte.

Ist der Kasten fertig, wird der Gleisplan aufgelegt. Um selbigen vor Verschmutzung und Staub zu schützen, habe ich eine Klarsichtplatte (Hobbyglas) daraufgelegt und verschraubt. Den Gleisplan habe ich NICHT aufgeklebt, damit er "arbeiten" kann und später keine Falten zieht.

Nun werden von oben an den erforderlichen Stellen Bohrungen für Schalter, Taster, LED's etc. durch Klarsichtplatte, Gleisplan und Holz gebohrt. Dabei ist Vorsicht geboten, damit das Hobbyglas nicht springt.

Anschließend werden die Schalter etc. eingesetzt und von unten verschraubt. Die Stellung der Weichen zeigen bei mir Reihen von LED's an. Die Elektronikmärkte bieten dazu häufig "Spar-Angebote". Meine LED's entstammen einem Set mit 100 LED's für damals 15DM.

Die Weichenschalter sind 2x2-polige Umschalter, so dass über einen Umschalter der Schaltstrom für die Weiche läuft und über den zweiten der Strom für die LED's.

Die Schalter für den Fahrstrom sind Umschalter mit drei Stellungen - links (Fahrstrom1), Mitte (Aus) und rechts (Fahrstrom2). So kann ich jedem Gleisabschnitt beliebig einen der beiden Fahrströme zuordnen. Gerade in den Bahnsteiggleisen ist das von Vorteil. Diese sind in zwei Abschnitte geteilt, so dass eine Lok an- oder abgesetzt werden kann, während eine Lok bereits am anderen Zugende ist.

Für die Signale sind Drucktaster mit Relais gekoppelt. Der Fahrtbegriff bei mehrbegriffigen Signalen wird über Schiebeschalter eingestellt (Vmax, 60km/h, 40km/h). Natürlich lässt sich das auch von der Stellung einer Weiche abhängig machen.
Die Signalbilder werden mit LED's im Stellpult angezeigt. Diese sind in Reihe zum Signal geschaltet, so dass bei einem Fehler sofort auch die Anzeige erlischt.

Das Verdrahten des Stellpultes

Das Verdrahten

Nun wird's spannend, denn jetzt beginnt das Verdrahten des Stellpultes !

Ich habe hier zunächst die korrekte Anzeige auf dem Pult geschaltet, so dass schon jetzt die Weichen- und Signalstellung bei Bedienung der Taster angezeigt wird.
Dann werden die 30poligen Kabel auf der einen Seite mit den Scartsteckern versehen. Notieren Sie sich unbedingt die Anschlussbelegung der Steckerfahnen, am besten mit einer kleinen Skizze. Geben Sie Drahtfarbe und Anschlussziel (z.B. Signal C, grün) an. Von der zugehörigen Steckbuchse geht dieser Draht weiter an das entsprechende Objekt auf der Anlage.

Die Kabel werden dann abgelängt und in das Stellpult geführt. Lassen Sie ausreichend Restlänge, um mit jeder einzelnen Ader die Stelleinrichtungen auch erreichen zu können !

Vergessen Sie nicht, die einzelnen Stellen unter dem Pult zu beschriften. Notieren Sie sich wichtige Fakten ! Mir hat mein "Schalthefter" in den nachfolgenden Jahren schon oft aus so mancher Misere geholfen.

Sie werden sehen, dass die Verkabelung sehr schnell zu einem Drahtgewirr wird. Versuchen Sie die Drähte so übersichtlich wie möglich zu verlegen, binden Sie ggF. Kabelbäume.

Sobald einige Objekte angeschlossen sind, sollte eine Funktionsprobe durchgeführt werden. (Die Verkabelung der Anlage kann dabei parallel erfolgen oder schon vorher abgeschlossen sein.)
Mit jedem Objekt, welches sein funktionierendes Leben auf der Anlage beginnt, steigt die Freude an Ihrem preiswerten Stellpult.