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Gleisbau

Gleissystem

Es gibt derart viele Gleissysteme, dass ich hier nur meine Erfahrungen mit dem von mir genutzten System wiedergeben kann.
Wer tief in die Tasche greifen will, kann ja gleich Gleise mit Bettung verlegen. Mir persönlich gefällt diese Art nicht, es sieht alles derart "genormt" und exakt aus, wie man das beim Vorbild wohl kaum antreffen kann. Sehen Sie sich doch einmal auf einem Bahnhof um, in dem (noch) alte Nebengleise liegen!

Auf meiner Anlage befanden sich zunächst die sogenannten Standardgleise. Das sind Gleisstücke vorgegebener Längen und Radien, die mit Schienenverbindern aneinander gesteckt werden.
Wer aber schon mal gesehen hat, wie ruckartig ein Zug in diesem System von der Gerade in eine Kurve übergeht, oder womöglich erst nach außen wegschwenkt, um dann den Bogenradius zu befahren, wird das vielleicht ebenso vorbildwidrig empfunden haben.

So habe ich mich vor Jahren dazu entschlossen, die komplette Gleisanlage herauszureißen und neu aufzubauen. Auf dem "oberirdischen" Teil kamen dabei grundsätzlich Flexgleise ohne Bettung zum Einsatz. Ich habe diesen Schritt bis heute nicht bereut !

Grund für den Umbau der westlichen Einfahrt war u.a. die Tatsache, dass in diesem Bogen eine Gleisverbindung durch Bogenweichen bestand. Das sieht zwar "elegant" aus, sorgt aber immer wieder für Entgleisung. Diese Weichenverbindung wurde deshalb auf den angrenzenden geraden Abschnitt verlegt. Lediglich eine Innenbogenweiche ist damit noch notwendig.

Altes Gleisbett entfernen

Zunächst werden die alten Gleise entfernt. Waren diese eingeschottert, so wird der entsprechende Abschnitt mit einer Blumenspritze vorsichtig mit Wasser besprüht. (Alle anderen Bereiche abdecken - vorallem elektrische Bauteile !) Nach einer Wartezeit weicht der alte Leim wieder auf - das wird an der weißen Farbe sichtbar.

Nun kann das Gleis relativ leicht entfernt werden. Der Schotter wird gleich mit abgesaugt - solange der Leim noch nass ist.

Das alte Gleisbett ist durchfeuchtet, der Leim ist wieder weiß geworden. Nun kann das alte Gleis entfernt werden.
Der Untergrund in Form alter Press-Span-Platten kommt zum Vorschein.

Untergrund vorbereiten

Auf meiner Anlage bestand der Untergrund dieses Gleises abschnittsweise aus alten Presspan-Platten. Diese wurden wenn möglich durch Sperrholz ersetzt.

Der Geisverlauf wird mittels Schablonen oder realen Gleistücken, Weichen etc. ausgelegt und angezeichnet.

Den zukünftigen Unterbau gestalte ich auf meiner Anlage mit braunem Acryl. Dies dient sowohl zur Glättung als auch zur Modellierung eventueller Übergangsbögen oder Überhöhungen. Später wird dieser Baustoff auch zur Geräuschdämmung beitragen.

Das Acryl wird in der erforderlichen Schichtdicke aufgetragen und dann mit einem Spachtel geglättet und geformt.
Für gerade Abschnitte habe ich mir eine "Spachtelschablone" gefertig: In ein stabiles Stück Plasik o.ä. wird an einer geraden Kante das Profil der Bettung eingefräst incl. Böschungsneigung etc. Zieht man diese Schablone über das frisch aufgebrachte Acryl, entsteht ein gleichmäßi aufgebauter Gleiskörper.

Der vorbereitete Untergrund mit einer Schicht aus Acryl. Mit diesem Stoff werden Unebenheiten der Grundplatte ausgeglichen. Links liegt noch ein Gleis mit altem Unterbau, rechts wird noch eine dünne Ausgleichs-Schicht Acryl aufgetragen.

Verlegen der Flexgleise

Ist das Acryl vollständig durchgetrocknet, kann mit dem Verlegen der Gleise begonnen werden. Anstelle der dazu üblichen Nadeln verwende ich Reißzwecken, um die Gleise zunächst in ihrer Lage zu fixieren.

Nun sollte eine ausgiebige Testphase folgen: Alle eingesetzten Fahrzeuge müssen über diesen Abschnitt fahren - gezogen und geschoben von einer Test-Lok. (Das kann auch ein von Hand geschobener Wagen sein. Aber niemals das Test-Fahrzeug mit der Hand bewegen. Meist übt man dann doch eine ungewollte (Führungskraft) aus.)
Erst wenn keinerlei Entgleisungen o.ä. mehr auftreten, kann mit dem Verleimen der Schwellen begonnen werden. Dazu wird mit der Düse der Leimflasche abwechselnd alle zwei bis drei Schwellen unter der einen und unter der anderen Schiene Leim in die Zwischenräume gepresst - allerdings nur soviel, dass die Gleise keinen Leim abbekommen.

Farbgebung des Gleises

Nun muss erst einmal alles gut durchtrocknen. Anschließend sind die Weichen mit den Stellmotoren zu verbinden, Kabelanschlüsse zu legen, evtl. Trennstellen einzusägen usw. Erst wenn alles funktioniert und wiederum alle Fahrzeuge sicher über diesen Abschnitt fahren, kann das Gleis farblich behandelt werden.

Sowohl bei dem Betonschwellenband als auch dem mit Holzschwellen sollte das Gleis nun mit braun-grauer Farbe behandelt werden. Die Schienen werden damit eingestrichen und anschließend mit einem Lösungsmittel getränkten Lappen die Schienenköpfe wieder abgewischt. So erreicht man, dass der Schienenfuß und das Kleineisen eine rostbraune Farbe annehmen, während die Schienenköpfe blank sind. Außerdem werden die nachgebildeten Kleineisen viel kontrastreicher sichtbar.

Das gesamte Beton-Schwellenband wird mit Frabe bestrichen und anschließend wieder abgewischt. So verliert es seinen "Plastik-Look". Für alte verwitterte Gleise wäre auch ein Beimischen grüner Farbtöne denkkbar.

Mit brauner Farbe werden die Schienen gestrichen und anschließend die Schienenköpfe gleich wieder gründlich von der Farbe befreit.

Einschottern

Besonders im Weichenbereich muss beim Einschottern sorgfältig darauf geachtet werden, dass die beweglichen Weichenzungen und das Herzstück nicht durch Schotter blockiert werden.

Der Modellbahnschotter wird hierzu in eine Flasche mit einer entprechenden Düse gefüllt, mit der er in kurzen Abschnitten (ca. 30cm) zwischen die Schienen und außen am Gleis verteilt wird.
Mit einem flachen Pinsel kann nun dem Schotter die richtige Lage verliehen werden: Zwischen den Schienen kann der Schotter zur Gleismitte hin etwas abfallen, an den äußeren Rändern ist auf die Bettungsschräge zu achten. Zu viel eingebrachten Schotter "kehrt" man mit dem Flachpinsel einfach weiter in den noch nicht geschotterten Abschnitt bzw. saugt ihn vorsichtig wieder ab.

Ist man mit dem Erscheinungsbild des Schotterbettes zufrieden, kann nun das Verleimen beginnen.
Ich befeuchte zunächste das Gleis mit feinem Wassernebel aus einem Blumensprüher. Dadurch wird der Schotter angefeuchtet und nimmt den Leim besser auf. Andernfalls kann es passieren, dass der Leim am Schotter einfach herunter läuft, oder der Schotter auf der leimflüssigkeit "mitschwimmt".

Der Leim sollte nicht zu dünn - aber auch nicht dickflüssig sein, am besten man probiert dies an einem kleine Abschnitt aus.
Dem Leimgemisch wird ein Tropfen Spülmittel zugesetzt, um die Fließeigenschaften zu verbessern. Außerdem können einige Tropfen schwarze Farbe dem Schotter später zu mehr Kontrast verhelfen und ein Glänzen durch das Spülmittel mindern.

Nach dem Durchtrocknen des Gleises wird der Abschnitt nun auf eventuell hervorstehende oder im Kleineisen klemmende Schottersteinchen untersucht und diese entfernt.

Ist die Randgestaltung (Randweg, Graben, Unkraut,...) ebenfalls abgeschlossen, kann die Sperrung dieses Abschnittes aufgehoben werden...

Und wenn doch mal umgebaut werden soll ?

Viele Modellbahner sind der Meinung, dass ein einmal eingeschottert Gleis "liegt wie es liegt" und nicht mehr verändert werden kann. Doch, das geht!

Wenn Sie den Gleisbau mit dem vorgeschlagenen Leim umgesetzt haben, besteht die Möglichkeit, Gleis samt Schotterbett wieder so zu entfernen, dass wenigstens der Untergrund - manchmal sogar das Gleis selbst - wieder verwendet werden kann:
Am Abend bevor Sie auf Ihrer Anlage "Schienenersatzverkehr" einrichten um Gleise herauszunehmen, sollten Sie sich eine Blumenspritze mit feiner Düse greifen. Decken Sie das umliegende Gelände ggF. ab, vorallem elektrische Artikel.
Sprühen Sie nun den betreffenden Gleisabschnitt in regelmäßigen Abständen vorsichtig mit feinem Wassernebel ein. Die Wassertröpfchen werden über Nacht das Gleisbett durchweichen. Eventuell müssen Sie die Prozedur vor dem Beginn der Arbeiten mehrfach wiederholen.

Das Gleis wird bald eine weiße Färbung annehmen - so wie es damals beim Einbau aussah. Der durchsichtig aufgetrocknete Leim ist nun wieder flüssig und das Gleis kann vorsichtig mitsamt Schwellenband herausgenommen werden. Vergessen Sie nicht, vorher eventuelle Zuleitungsdrähte abzulöten!

Vielleicht soll an dieser Stelle gar kein Gleis mehr liegen? Lassen Sie das Schotterbett doch einfach drin, streuen Sie Grasfasern auf und schon gehen sie mit der Zeit, in der einst wichtige Gleise den "blühenden Landschaften" weichen...

Ein stillgelegtes Anschlussgleis.